Jahrestagung der Mentor*innen der IFB-Weiterbildung

„Es war einmal…“
Vom Erinnern und Erzählen in der Beratung

Das Evangelische Zentralinstitut für Familienberatung gGmbH führt einmal im Jahr die Jahrestagung der Mentorinnen und Mentoren durch, um aktuelle Themen der Weiterbildung zu diskutieren.

Eingeladen sind Mentor*innen der IFB Weiterbildung, Praktikumsanleiter*innen, IFB-Kursabsolent*innen sowie Kurssprecher*innen.

Thema der diesjährigen Konferenz:

„Es war einmal…“

Vom Erinnern und Erzählen in der Beratung

 


Referent: Prof. Dr. Dipl.-Psych. Tilmann Habermas, Psychoanalytiker (IPA/DPV/DGPT), Professor an der IPU Berlin

 

Das vollständige Programm finden Sie hier

 

Konzept

Prof. Tilmann Habermas

Erinnern persönlicher Erlebnisse

Der Vortrag widmet sich dem Erinnern persönlicher Erlebnisse aus einer psychologischen und psychoanalytischen Sicht in sechs Schritten. (1) Er beginnt mit einem kurzen historischen Überblick über die Abnahme der Bedeutung des Erinnerns in der Geschichte der psychoanalytischen Psychotherapie. (2) Erinnern bedeutet meist auch Erzählen, und die Form des Erzählens reflektiert das Erleben der erzählenden Person. Erzählungen können dramatisieren und mitreißen (z.B. Traumaerzählungen), sie können in die Köpfe der verschiedenen Beteiligten schlüpfen und ihre Motive und Emotionen nennen (Mentalisieren), und Erzählende können Verantwortung für ihre Vergangenheit übernehmen durch die Art des Erzählens (Agentizität). (3) Das Erzählen der persönlichen Vergangenheit muss zwei miteinander in Spannung stehenden Ansprüchen genügen. Zum einen soll das Erzählen die Vergangenheit wiedergeben, wie auch andere sie erzählen würden (historische Wahrheit). Zum anderen soll das Erzählen Konsistenzansprüchen genügen, es also eine zusammenhängende Geschichte erzählt werden (Kohärenz), die mit dem Weltwissen übereinstimmt (Plausibilität) und in das Leben des Erzählenden passt (biographische Kohärenz) und somit auch zu dessen Identität. Mithin tun sich vielfältige Möglichkeiten des Scheiterns auf. (4) Erinnerungen erzählen ist immer sozial situiert, auf die jeweiligen Zuhörenden und die aktuellen Motive abgestimmt. Sie wirken auf Zuhörende und diese beeinflussen ihrerseits den Erzählerlauf. (5) Erinnerungen verändern sich im Laufe des Lebens, nicht zuletzt auch durch die Reaktionen Anderer. (6) All diese Aspekte spielen in der Beratung eine Rolle. Wie reagieren Beratende auf Erinnerungserzählungen, und wie können sie sinnvollerweise auf sie eingehen?

 

 

Sebastian Kukla

Zwischen Weiterbildung, Lehrsupervision und eigener Supervisionspraxis

In Vortrag werden am Beispiel der EZI Weiterbildung „Supervision und Coaching“, Wege der Rollenfindung und Rollenentwicklung zum*zur Supervisor*in aufgezeigt. Welche Standards und Rahmenbedingungen nutzen Weiterbildungsteilnehmende, bzw. müssen genutzt werden, um sich auf den Weg der Supervision zu begeben? Auf welche eigenen (professionellen) Rollen greifen sie zurück, bis sie zunehmend sicherer in der Rolle der*des Supervisor*in sind? In diesem Zusammenhang wird die Lehrsupervision als wichtige Säule der Weiterbildung genauer betrachtet: Welchen (machtvollen) Rahmen setzt Lehrsupervision, wo gibt sie Orientierung und wo schafft sie Freiräume für Unsicherheiten, Ausprobieren und Fehler – was darf geschehen, was bleibt verborgen? Über die Beziehung Lehrsupervisor*in und Lehrsupervisand*in werden in diesem Zusammenhang Aspekte der Macht, Abhängigkeit und Bewertung näher betrachtet: Wie besprechbar sind diese in der Lehrsupervision?

Der zweite Teil des Vortrags widmet sich der eigenen Praxis als Supervisor*in/Mentor*in: Was erinnere ich aus meiner Weiterbildung, aus meiner Lehrsupervision/meinem Mentorat, aus meinen Anfängen? Wie gestalte ich meine aktuelle Praxis aus diesen Erinnerungen und wo beschreite ich neue Wege? Wie blicke ich im Hier und Jetzt der eigenen Praxis auf Macht, Abhängigkeit und Bewertungen?

Zielgruppe

Mentor*innen der IFB-Weiterbildung, Praktikumsanleiter*innen, IFB-Kursabsolvent*innen und IFB-Kurssprecher*innen
Mi., 28.10.2026 | ab 14:00 Uhr
Fr., 30.10.2026 | bis 12:30 Uhr
max. 50 Teilnehmende
Auguststr. 80
10117 Berlin
140 Euro

Dozent:in(nen)

Evangelisches Zentralinstitut für Familienberatung
Auguststr. 80
10117 Berlin
Sprechen Sie uns gerne an!
Christine Korth
Organisatorische Fragen
Christine Korth0049 30 28395273korth@ezi-berlin.de