Trauerbegleitung

Sechsteiliger Grundlagenkurs

Trauer gehört zum Leben. Und doch zählt der Tod eines nahen Menschen zu den tiefgreifendsten Erfahrungen, die das Leben bereithält. Menschen in solchen Lebenssituationen zu begleiten, erfordert Einfühlungsvermögen, fachliches Wissen und die Bereitschaft zur Reflexion der eigenen Haltung.

Die Grundausbildung Trauerbegleitung vermittelt grundlegende Kenntnisse über Trauerprozesse und qualifiziert für die Begleitung trauernder Menschen im ehrenamtlichen oder beruflichen Kontext. Die Teilnehmenden setzen sich mit aktuellen Erkenntnissen der Trauerforschung auseinander, lernen Methoden und Gesprächsführung in der Trauerbegleitung kennen und entwickeln ihre persönliche Haltung als Begleitende weiter.

Die Ausbildung verbindet fachliche Impulse mit Selbsterfahrung, Praxisübungen und Austausch in der Gruppe. Sie eröffnet einen geschützten Lernraum, in dem Wissen, persönliche Entwicklung und praktische Handlungskompetenz gleichermaßen gefördert werden.

Der Kurs qualifiziert die Teilnehmenden zur ehrenamtlichen oder nebenberuflichen Begleitung trauernder Menschen im Einzel- und Gruppensetting.

Ziel ist die Entwicklung:

  • einer reflektierten, personzentrierten Haltung
  • fachlicher Kenntnisse zu Trauerprozessen
  • kommunikativer Kompetenzen in der Begleitung
  • der Fähigkeit zur Selbstreflexion und Abgrenzung
  • eines professionellen Rollenverständnisses

Die Weiterbildung wird inhaltlich gestaltet und verantwortet von der Beratungsstelle für Trauernde des Evangelischen Kirchenkreises Tempelhof-Schöneberg, Berlin. Sie findet an sechs Wochenenden statt, immer freitags von 14 – 20 Uhr und samstags von 9 – 17 Uhr, und umfasst insgesamt 80 Lehrveranstaltungsstunden à 45 Minuten.

Themenschwerpunkte der einzelnen Module

Modul 1: Trauer verstehen & eigene Haltung

Inhalte

  • Meine eigene Trauererfahrung
  • Was ist Trauer? – gesellschaftliche und individuelle Perspektiven
  • Einblick Abschied und Bestattungskultur
  • Eigene Motivation herausarbeiten
  • Erwartungen und Beweggründe
  • Erste Unterscheidung private Betroffenheit und professionelle Rolle
  • Entwickeln einer eigenen Haltung

Lernziele

Die Teilnehmenden:

  • verstehen Trauer als individuellen Prozess
  • reflektieren ihre Motivation und Eignung
  • erkennen eigene biografische Prägungen
  • unterscheiden private Betroffenheit und professionelle Rolle
  • benennen persönliche Grenzen
  • entwickeln ein erstes professionelles Selbstverständnis/Haltung

Modul 2: Trauertheorien, Modelle & Einflussfaktoren

Inhalte

  • Geschichte der Trauerbegleitung
  • Entwicklung verschiedener Trauermodelle
    • Prozess-/Phasenmodelle (KüblerRoss- Kast-)
    • Aufgabenmodelle (Worden- Chris Paul)
    • Duales Prozessmodell (Struebe und Schut)
  • Unterschiede und Gemeinsamkeiten
  • Kritik an linearen Modellen
  • Mediatoren der Trauer nach Worden
  • Kulturelle Unterschiede
  • Unterschiedliche Trauertypen und Bewältigungsstrategien
  • Trauer im System (Familie, soziales Umfeld)
  • Fallbesprechung
  • Fortgesetzte Bindung (Kachler)

Lernziele

Die Teilnehmenden:

  • kennen zentrale Modelle und deren Entwicklung
  • reflektieren deren Nutzen und Grenzen
  • erkennen Einflussfaktoren auf Trauerprozesse
  • berücksichtigen systemische Dynamiken
  • übertragen Theorie in Begleitungssituationen

Modul 3: Kommunikation & personzentrierte Gesprächsführung

Inhalte

  • Konstruktivismus
  • Personzentrierte Haltung (Empathie, Kongruenz, Wertschätzung)
  • Aktives Zuhören
  • Ich-Botschaften hören lernen
  • Körpersprache und Resonanz
  • Gesprächseinstiege und -abschlüsse
  • Systemisches Fragen
  • Strukturierung von Einzelbegleitungen
  • Impulse für Einzelbegleitungen
  • Umgang mit starken Emotionen
  • Gesprächsübungen (Rollenspiele, Triadenarbeit)

Lernziele

Die Teilnehmenden:

  • führen strukturierte Begleitungsgespräche
  • hören empathisch und wertschätzend zu
  • setzen systemische Fragetechniken angemessen ein
  • begleiten emotionale Prozesse sicher
  • reflektieren ihr Kommunikationsverhalten

 

Modul 4: Besondere und erschwerte Trauerverläufe

Inhalte

  • Übungen zu Gesprächsführung (wird ab jetzt regelmäßig eingebaut)
  • Abgrenzung Trauer – Depression
  • ICD-Diskussion (anhaltende Trauerstörung)
  • Erschwerte Trauer und prolongierte Trauerverläufe   
    • Suizid und Suizidtrauer
    • Plötzlicher Tod
    • Schuld, Scham, Wut
    • Schuld in Trauerprozessen („Schuld macht Sinn“)
    • Aberkannte Trauer
  • Krisenintervention (Grundlagen)
  • Warnsignale psychischer Erkrankungen
    • Trauer und Depression
  • Weitervermittlung und Netzwerkarbeit
  • Fallbesprechung

Lernziele

Die Teilnehmenden:

  • unterscheiden normale und erschwerte Trauer
  • erkennen depressive Entwicklungen
  • verstehen diagnostische Einordnungen
  • entwickeln Sicherheit im Umgang mit Suizidtrauer
  • kennen ihre fachlichen Grenzen
  • wissen, wann Weitervermittlung notwendig ist

Modul 5: Methoden, Rituale & Trauergruppen

Inhalte

  • Übungen zur Gesprächsführung
  • Vor- und Nachteile unterschiedlicher Gruppenangebote
    (offen, geschlossen, Trauercafé etc.)
  • Gruppenphasen und Dynamiken (Übungen Störungen)
  • Spiritualität
  • Ressourcenarbeit
  • Rituale (Abschiedsritual, Trauerritual)
  • Texte in der Trauerarbeit
  • Kreative Gestaltung
  • Schreiben
  • Klopfen (körperorientierte Methode)
  • Trommeln / Musik
  • Methodenvielfalt: Jede:r stellt eine Methode vor
  • Planung einer Gruppenstunde
  • Durchführung eines Rituals

Lernziele

Die Teilnehmenden:

  • planen strukturierte Gruppenangebote
  • berücksichtigen Gruppendynamik
  • setzen kreative und körperorientierte Methoden angemessen ein
  • gestalten Rituale sensibel und würdevoll
  • arbeiten ressourcenorientiert
  • reflektieren spirituelle und existenzielle Themen

Modul 6: Psychohygiene, Abschied & Praxisreflexion

Inhalte

  • Helfertypen und Helferdynamiken
  • Rolle der Trauerbegleitung
  • Nähe und Distanz
  • Grenzen der Begleitung
  • Psychohygiene und Selbstfürsorge
  • (Dokumentation)
  • (Qualitätssicherung)
  • Fallpräsentationen
  • Kollegiale Beratung
  • Abschlusskolloquium
  • Rückblick gesamter Kurs und Abschluss

Lernziele

  • reflektieren eigene Helfermuster und erkennen deren Einfluss auf die Begleitung
  • definieren ihre Rolle klar und grenzen sie von anderen professionellen Rollen ab
  • gestalten eine angemessene Balance zwischen empathischer Nähe und professioneller Distanz
  • erkennen persönliche und fachliche Grenzen und gehen verantwortungsvoll damit um
  • wenden Strategien der Selbstfürsorge an und reflektieren die eigene Belastung
  • stellen Praxisfälle strukturiert dar und reflektieren diese
  • wenden kollegiale Beratung zur Reflexion und Lösungsfindung an
  • präsentieren ihre Kompetenzen fachlich fundiert und reflektiert im Abschlusskolloquium
  • Eigene Verlusterfahrung mindestens 1–2 Jahre zurückliegend
  • Bereitschaft zur Selbsterfahrung
  • Teilnahme an einem Vorgespräch

Modul 1: 19.03. – 20.03.2027

Modul 2: 23.04. – 24.04.2027

Modul 3: 28.05 – 29.05.2027

Modul 4: 11.06. – 12-06.2027

Modul 5: 03.09. – 04.09.2027

Modul 6: 12.11. – 13.11.2027

 

 

 

Seminarzeiten inkl. Pausen:

1. Tag: 14:00 h – 20:00 h

2. Tag: 09:00 h – 17:00 h

Konzept

 

Zielgruppe

Ehrenamtliche in Hospiz- und Trauerarbeit, Mitarbeitende in sozialen, pflegerischen, oder kirchlichen Kontexten, Interessierte mit persönlicher Eignung
Fr., 19.03.2027 | ab 14:00 Uhr
Sa., 13.11.2027 | bis 17:00 Uhr
max. 14 Teilnehmende
Auguststr. 80
10117 Berlin
1175 Euro

Dozent:in(nen)

  • Anna Ziegenhagen
  • Stefan Voss
  • Michael Bolz
  • Detlev Eberhard
Evangelisches Zentralinstitut für Familienberatung
Auguststr. 80
10117 Berlin
Sprechen Sie uns gerne an!
Michaela Bärthel
Organisatorische Fragen
Michaela Bärthel030 28395-270baerthel@ezi-berlin.de